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Stella Luna Das Spirituelle Online-Magazin für Lebenslust & Lebensart
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© 2010 Stella Luna |
Fasching
Ich gebs ja zu. Ich hab so meine Schwierigkeiten mit Fasching. Diese Verkleiderei….puuuh und diese gewollte Heiterkeit und erst dieser Krach! Laut isses bei mir auch ohne das Fasching ist…. Fasching bedeutet für mich in erster Linie Arbeit: Kostüme für alle Kinder nach aller Kinder Wünsche nähen, für jede Faschingsfeier von Schule bis Sportverein, von Bücherei bis was-weiß-ich einen Büffetbeitrag zubereiten und auch noch hinschaffen….stöööööhn.
WER ZUM TEUFEL HAT DIESES FASCHINGSDING EIGENTLICH ERFUNDEN ?! Fasching. Fastnacht. Karneval. Kehraus. Auch als die 5. Jahreszeit bezeichnet und das ist auch gar nicht so falsch: Es ist eine Zeit außerhalb jeder Norm, außerhalb jedes Rhythmus. Irgendwas „dazwischen“. Manche Städte sind berühmt für ihr Treiben in dieser Zeit, z. B. Köln oder auch Venedig. Ihren Ursprung haben diese Bräuche, wie so häufig, in einer verkirchlichten, christianisierten Form der heidnischen Winteraustreibung. So entstand der Bezug zur christlichen Fastenzeit. Die Kirche verbot derartig „unflätige Feste“ im Jahr 743 unter Vorsitz von Bonifatius, also durch denjenigen der auch die heiligen Bäume fällen ließ. Auch soll es einen Einfluß von Lokalpatriotismus und die Verhöhnung der französischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts durch Narretei geben. Das aber nur am Rande.
Karneval. Carne vale. Noch eine Interpretation: Abschied von allen Fleischspeisen, Festessen, anfangen zu fasten. Daher, glaubt man, kommt das Wort Karneval. Eine Legende besagt, das vor über 600 Jahren Metzger anfingen, riesige Würste auf der Straße zu verkaufen, um noch einmal gut vor der Fastenzeit zu verdienen. Die Bäcker sollen es ihnen gleich getan haben mit Waffeln, Krapfen und Pfannkuchen, die bis heute zur Fastnacht gebacken werden. Diese außergewöhnliche Zeit, ging mit dem Sprießen der Säfte in der Natur einher. Alles erwachte wieder zum Leben auch die Säfte im Menschen ;-) …. Und aus den den Vasel- oder Fasel-Nächten wurden die Fasten-Nächte, die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Hier wird’s wieder kirchlich. 325 wurde auf dem Konzil von Nicaa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Was für ein Durcheinander! Mit dem Konzil von Benevent 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um 6 Tage nach vorn auf den heutigen Aschermittwoch. Halleluja!
Trotzdem: Es wird noch immer ausgelassen und exsessiv närrisch gefeiert und gekracht. Das alte Brauchtum ist nicht ganz überwunden. Und das ist, trotz all meiner Vorbereitungsarbeit, gut so. Denn der Wortstamm FAS hat gar nichts mit dem christlichen Fasten zu tun. FAS-nacht kommt aus dem mittelhochdeutschen „vaseln“ oder auch „viseln“ also fruchtbar machen, gedeihen, vermehren. Das die Kirche das heute im allgemeinen etwas verklemmter sieht ist hinlänglich bekannt. Ob zu Recht oder zu Unrecht entscheidet der geneigte Leser bitte für sich. Denn dieser Brauch des Faselns war eine ausschweifende Fruchtbarkeits- äh- orgie. Bei den Germanen waren diese Feste als Faselnächte bekannt und „Fasel“ steht althochdeutsch für Nachkommenschaft, mittelhochdeutsch Zuchtvieh. Vielleicht ist manchem noch „Faselvieh, Faselhengst“ ein Begriff, wobei „Visel“ oder „Viselin“ das männliche Glied bezeichnet!
Ist doch wirklich spannend wie das eigentliche Wort quasi ins Gegenteil gedreht wurde. J
Und nun zu den Umzügen allerorts. Die Masken, Kleidung einfach alles hat eine uralte Überlieferung, zumindest in der Feier und dem Brauchtum der allemannischen Fasnet. Wie z. B. in Afrika stellen die Masken und Figuren übernatürliche Wesenheiten dar. Auch heute noch tragen sie die alten Namen wie: Der Bögg, Moosweiblein…. . Angeblich war es auch nicht ungefährlich diese Masken zu tragen, weil man von diesen Geistern besessen werden konnte. Frauen sollten deshalb auch keine solchen Masken tragen, weil sie als sensibler und empfänglicher galten….mancher wird heute sagen, dass jede Frau ne Maske trägt…. Wie dem auch sei; Jede Gruppe im Umzug hatte ihr Kennwort und wenn man das nicht wußte, wurde Schabernack mit einem getrieben, mitgeschleppt, verspottet. Aber wenn der Dämonenzug vorbei, hat er all den alten seelischen Unrat mitgenommen und den Weg bereitet für den Frühling und seine Göttin. Ja wirklich ein Kehraus. In diese Zeit des Feierns fallen viele Feste die alle mit Liebe, Lust und Erotik zu tun haben.
Im alten Rom wurde der Monat Februar nach der Juno Februata oder Febronia benannt, der Schutzherrin der Liebesleidenschaft. Nach iihr wurde auch das Liebesfieber benannt-„febris“ und ist wohl auch unser Wort Fieber hier abstammend. Valentin, man erinnere sich an den Valentinstag, wurde bei Liebeszaubern und der Zubereitung von Liebestränken und –mahlen angerufen. … und der Kirche gelang es nicht mal durch erschaffen des heiligen Valentin diesen Ritus zu brechen.
Und was ist mit diesem merkwürdigen Faschingsprinzen?
Früher begann dieses ausgelassene Treiben am Heilig-Dreikönigs-Tag. Ein sogenannter Bohnenkönig wurde per Los gefunden. Los bedeutete früher Schicksal oder Tod im Sinne von „ein schweres Los“ haben. In den Zeiten davor war das Los der Opferteil an die Götter.
Der jenige auf den „das Los“ fiel, mußte das Opfer geben. Das Wort bedeutete in der altgermanischen Wurzel „haften bleiben, festhaken“, das heißt also, das dieses Los nicht übertragbar war. Es haftete einem an, bis es erfüllt war. Erst viel später wurde aus dem Bohnenkönig der Faschingsprinz, der in dieser Narrenzeit das verrückte Volk regiert und das Los erfüllt. Zu Kehraus ist seine Amtszeit abgelaufen. Er wird geopfert, wie alte Bräuche wie z. B. das Faschingsersäufen (da haben wir wieder das exsessive Trinken J) noch vermitteln. Er selbst ist also das Los, das Opfer am Ende seiner Regierungszeit für neues Leben vor der Wachstumsperiode. Der Rosenmontag dann, klingt romantisch is er aber gar nicht. Es ist der Tag vor der Opferung des Faschingsprinzen. An diesem Tag war der Prinz vor Rausch und Angst vor seinem bevorstehenden Tod schon ganz verrückt, verzweifelt und rasend und das spiegelte sich in seinem Benehmen wieder. Rosenmontag also eigentlich „rasender Montag“, die Verzweiflung des Opfers hat ihren Höhepunkt erreicht und Ausdruck im irren Treiben findet. Also nicht Rosen sondern Rasen ;-) ? Die Bedeutung des Wortes orientiert sich nicht an der Blume sondern an eine Zeit, als es diese Blume in Europa noch gar nicht gab. Aber unsere Rose hat ihren Namen daher bekommen. Ein Teil der Bedeutung ist die Farbe „Rot“. Man findet auch Orte mit diesem Wortteil oder auch „Ruß-…“ Es ist ein Hinweis auf magische Orte, Übergangszeiten, Zwischenwelten und –zeiten. Zwischen Leben und Tod. Später wurden sie oft zu Orten der Gerichtsbarkeit. Morgen- und auch Abendrot sind Zwischenzeiten, die Zeit wenn die Sonne auf- oder untergeht und damit Tag und Nacht trennt. Diese Zeit war für die Menschen ein Abbild von Leben und Tod. Eine Welt die nicht zu betreten war, denn Abendrot und Totenwelt sind unantastbar. Auch das Himmelreich wurde als so ein Rosengarten angesehen. In dem Wort „ROSEN“ verschmelzen viele Kult- und Kulturbegriffe wie die Sonnenverehrung, Totenkult, Recht und Rechtsprechung, Opferhandlungen uäm. Das würde hier heute mein Thema sprengen. Fastnacht. Ein Überbleibsel der rituellen Kultur unserer Vorfahren. Sie haben den Umgang mit den Naturgeistern noch verstanden und sie in ihr Leben eingeladen. Zusammenfassend handelt es sich bei dieser Faschings-Feierei also um wilde Feste mit Vermummung (sonst kann man wohlmöglich seinem Nachbarn später nicht mehr ins Gesicht sehen ohne rot zu werden J), Maskenläufen, Trinkgelagen und Umzügen. Schöpferisches Chaos, Kreativität, gelebtes gefeiertes Leben. Eine starke Kraft, die ausgelassen und fruchtbar macht, aber eben genauso gefährlich das Gleichgewicht im Großen und im Kleinen stören und dann auch krank machen kann. Vielleicht ist deshalb diese Zeit so empfindlich, nicht zu fassen, außergewöhnlich. Wann und wo können wir heute sein wie wir wirklich sind? Wo können wir heute noch jede Facette unseres Seins leben ohne „unangenehm“ aufzufallen? Denn das ist es worum es eigentlich immer ging: Gefühle. Das Ausleben der Gefühle. Lebendig sein, genießen, toben- wild und ungezähmt unserer Natur folgend. Sollten wir uns nicht dieses eine Mal im Jahr dieses heilsame Erleben gönnen? Egal welche Zeitung man wo auch immer aufschlägt, das „innere Kind“ zu verwöhnen und nicht zu vergessen wird gepriesen und vermarktet. Welch wohltuendes Treiben lassen wir uns also entgehen, wenn wir Fasching an uns ungenutzt und ungefeiert an uns vorbei ziehen lassen? Es gab und gibt immer viel lärmendes Treiben, Umzüge, ausschweifendes Essen und Trinken doch wer das rechte Maß nicht findet, kommt drin um- im lärmenden Umzug den Winter hinaus zu jagen, die Natur zu wecken, Krankheiten, Altes, Verbrauchtes, und sonstige Unholde zu vertreiben.
Wer tiefer in die Mystik eintauchen möchte, dem sei wieder einmal herzlich diese Seite angeraten: http://www.jahreskreis.info/
So nähe und backe und feiere ich also weiter mit meinen Kindern.
Laßt uns Platz schaffen für Neues. Spielen wir mit unserem inneren Kind. Auf das Leben!
Allzeit Eure Asteria
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